18. Oktober 2026 – Ende September kam es im Nationalrat zu hitzigen Diskussionen. Auslöser war der Hitzesommer mit der extremen Trockenheit. Der Bundesrat tue zu wenig gegen die Klimaerwärmung, monierten die einen. Andere wiederum möchten neue Atomkraftwerke bauen. Das Ziel ist die «Dekarbonisierung». Und das bedeutet weg von den fossilen Energieträgern.
Aber wie gelingt das? Bundesrat Albert Rösti sieht sich, wie er in der Debatte selber sagte, in einem gordischen Knoten. Bei jeder Energieform sei er mit einer relativ grossen und mächtigen Opposition konfrontiert. In der Kritik stehen Staudämme, Windenergieanlagen, Solarpanels oder Kernkraft mit den radioaktiven Abfällen. Für eine Mehrheit im Parlament ist der Bau neuer Atomkraftwerke wieder salonfähig gewordenen. Damit gerät die Frage, wie mit den noch Jahrtausende strahlenden radioaktiven Abfällen umgegangen wird, plötzlich wieder ins Rampenlicht.
Bis vor Kurzem beschäftigte diese Frage vor allem die Region Nördlich Lägern. In Würenlingen im Kanton Aargau soll nämlich die Verpackungsanlage der Brennstäbe entstehen. Die Container mit den radioaktiven Abfällen sollen dann per Lastwagen ins Zürcher Unterland gefahren werden, wo sie in Stadel im Zürcher Unterland, unweit des Rheins und der Staatsgrenze zu Deutschland, in mehreren Hundert Meter Tiefe im Opalinuston eingelagert werden sollen. Die harmlos klingende Bezeichnung dafür: ein geologisches Tiefenlager. Die Geologie soll es also richten.
Die Nagra hat das Rahmengesuch für das Tiefenlager und die Verpackungsanlage eingereicht. Dieses wird nun durch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI geprüft. Danach können sich Betroffene und interessierte Kreise dazu äussern. Schliesslich wird der Bundesrat entscheiden und das Vorhaben dem Parlament vorlegen. Und falls das Parlament grünes Licht für das geologische Tiefenlager gibt, wird höchst wahrscheinlich das Referendum ergriffen, vor allem wenn wieder neue Atomkraftwerke gebaut werden sollen. Somit wird das Volk das letzte Wort haben.
Nur rund drei Wochen vor der emotionalen Debatte im Parlament besuchte Bundesrat Rösti zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt die Standortregion des Tiefenlagers. In seiner Rede dankte er der Bevölkerung für die Bereitschaft, ein nationales Projekt mitzutragen. Die Anliegen der Bevölkerung seien ihm wichtig, sagte der Bundesrat. Mittels QR-Code konnten die Anwesenden Fragen stellen. Einige wurden auch beantwortet. Doch ein Dialog auf Augenhöhe fand nicht statt.
Mehr zum Besuch von Bundesrat Albert Rösti sowie einige Gedanken zum geologischen Tiefenlager > Artikel (.pdf)
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