Das Grotto «Pozzasc» in Peccia

GrottoPozzasc

Grotto Pozzasc bei Peccia im Val Lavizzara – rechts unter dem Felsen befindet sich der Keller.

26. April 2015 – Wie spricht man «Pozzasc» aus? Ein seltsamer Name für ein Grotto. Der Tessiner, der mich vor drei Jahren mit seinem Auto mitnahm, als ich in Bignasco den Bus nach Fusio zuhinterst im Val Lavizzara verpasst hatte, sprach den Namen bestimmt aus. Als wir in Peccia vorbeifuhren, wies er mich nämlich nicht nur auf die gepflegte Kastanienselve, sondern auch auf dieses Grotto hin. Wenn er seinen Vater in Fusio besuche, gehe er manchmal auch dorthin. Wenn Einheimische ein Lokal aufsuchen, ist es immer ein gutes Zeichen.

Mein Ziel damals war die Kirche von Mario Botta in Mogno. Doch seither wollte ich unbedingt einmal dieses Grotto kennen lernen. Und jetzt bot sich endlich eine Gelegenheit dazu. Ich besuchte an diesem Vormittag noch einmal die Kirche. Weil das Wetter nicht so gut war, nahm ich danach bis Peccia den Bus. Ein Gruppe von Schülern sass bereits im gelben Postauto; sie waren über Mittag offenbar zu Hause in Fusio. Als wir am Dorfeingang beim Schild «Grotto Pozzasc» vorbeifuhren, fragte ich die älteste Schülerin, wie man das ausspreche. «Pozzasch», sagte sie. Für mich war es ein kleiner Erfolg, denn ich fragte auf italienisch …

Als ich im Grotto ankam, war ich der einzige Gast. Man wies mir den schönsten Platz am Tisch direkt beim offenen Kaminfeuer zu. Ich fragte die Wirtin, was Pozzasc bedeute. Das sei Tessiner Dialekt und heisse Tümpel oder Loch mit schlechtem Wasser. Davon kann aber keine Rede sein. Der aus dem Val di Peccia kommende Bach bildet direkt neben dem Grotto nämlich wunderschöne Wasserbecken, die im Sommer zum Baden einladen.

Das Grotto ist eine Entdeckung. Ich bekam wunderbare Polenta und Käse aus dem Maggiatal serviert. Der Wirt und Koch fragte mich, ob ich sehen möchte, wo er die Polenta zubereitete. Natürlich wollte ich. Hinter dem Haus hat es einen kleinen Raum mit einer Feuerstelle. Dort wird die Spezialität des Grottos in zwei Kupferkesseln auf offenem Feuer zubereitet. Das Feuer gibt der Polenta ihren speziellen Geschmack.

Der Käse und das Fleisch für die Würste stammen von der Alp in Fusio. Im Januar kaufe man Schweine, die den Sommer auf der Alp verbracht hätten, sagte der Wirt. Anschliessend werde gemetzget, damit die Köstlichkeiten bereit seien, wenn die Saison beginne. Käse, Würste und Wein werden im Keller aufbewahrt, der sich unter einem grossen Felsen in unmittelbarer Nähe des Grottos befindet. Auch diesen durfte ich besichtigen. Von der Küche gelangt man durch einen schmalen Gang unterirdisch in den Keller unter dem Felsen.

Einheimische Produkte. Fatto in casa. Wunderbar. Ich werde wieder ins «Pozzasc» kommen. Als ich das Grotto verliess, schien bereits wieder die Sonne.

Weiteres Bild mit dem mächtigen Felsen, unter dem sich der Keller befindet (rechts neben dem Grotto).

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