10. März 2026 – Immer wieder wird pauschal argumentiert, die Biodiversität sei die Grundlage für das Leben oder sogar die zentrale Lebensgrundlage für den Menschen. Doch was will damit gesagt werden? Ist es ein moralischer Appell? Geht es um spezifische Interessen? Oder geht es um elementare Zusammenhänge und das Überleben der Menschheit? Sind dann aber nicht vielmehr intakte und funktionierende Ökosysteme gemeint?
Könnte es klug sein, etwas weniger über Biodiversität zu reden, dafür aber mehr über intakte Ökosysteme? Während Biodiversität bei Landnutzenden und Produzierenden nicht selten Abwehrreflexe auslöst, verstehen diese die Unerlässlichkeit funktionierender Ökosysteme womöglich besser. Denn das ist die Grundlage ihres Wirtschaftens – sofern man nicht auf rein technische Produktionssysteme setzt.
Das heisst aber keineswegs, dass die Natur keinen Eigenwert hat. Einen solchen besitzt sie zweifellos, unabhängig von jeder Nützlichkeit für den Menschen.
Es zeigt sich immer mehr, dass der Begriff «Biodiversität» kein einfacher ist. Er wurde erst in den 1980er Jahren «erfunden», also nur wenige Jahre vor dem Erdgipfel in Rio de Janeiro von 1992, an dem die Konvention über die Biologische Vielfalt verabschiedet wurde. Danach machte der Begriff eine unglaubliche Karriere. Die Kehrseite der Popularität ist, dass Biodiversität häufig sehr unspezifisch und auch inflationär verwendet wird.
Ich bedauerte vor einigen Jahren sehr, dass es in der Schweiz nicht gelungen ist, zwei Nationalparke der neuen Generation einzurichten. Als ich mich mit diesen Projekten beschäftigte, stellte ich mir unter anderem die Frage, was diese neuen Einrichtungen für Natur und Umwelt letztlich bringen. Eine schlüssige Antwort war für mich, dass wenn eine Gesellschaft einige Flächen ganz bewusst der Natur überlässt, wie dies in der Kernzone eines Nationalparks der Fall ist, dass eine solche Gesellschaft womöglich ganz generell auch bewusster mit ihren natürlichen Lebensgrundlagen umgeht.
Eine weitere höchst anspruchsvolle Sache ist, dass wer Biodiversität schützen und fördern möchte, sich in sehr viele Bereiche einmischt. Dies zeigt sich auch beim Ziel, in der Schweiz eine ökologische Infrastruktur aufzubauen. Um nachhaltige Erfolge zu erzielen, sind viele Akteure ins Boot zu holen.
Friedrich Dürrenmatt hat in den «Physikern» folgendes festgehalten: «Was alle angeht, können nur alle lösen. Jeder Versuch eines Einzelnen, für sich zu lösen, was alle angeht, muss scheitern.» Das gilt natürlich nicht nur für den Naturschutz, sondern ebenso sehr für die Landbewirtschaftung. Denn die Art und Weise, wie Land genutzt wird, geht ebenfalls alle an.
Weitere Fotos:
Naturschutzmassnahmen bei Hochfelden ZH – Foto
Naturschutzmassnahmen bei Weiach ZH – Foto 1 – Foto 2
Initiative im Bleniotal bei Aquarossa TI – Aufgeschichtete Zweige als Lebensraum für Tiere – Foto
Eine alte Kastanie bei Aquarossa TI – Foto
Unterwegs im Bleniotal – Foto
Eine ausführliche Version des Artikels mit dem Titel «Klima- und Biodiversitätspolitik im Krebsgang» ist beim Autor erhältlich.
Ein ausführlicher Artikel zur ökologischen Infrastruktur mit dem Titel «Schutz Biodiversität – ist die ökologische Infrastruktur der Schlüssel zum Erfolg?» ist auf Espazium erschienen.
